Kommunale Klimaanpassung im Welterbe Oberes Mittelrheintal

Gemeinsame Studie der HS Koblenz, der TH Bingen und der HS Geisenheim

Im Fokus der Studie steht die Klimaanpassung durch die Kommunen im Welterbe-Gebiet Mittelrheintal.
Ziel der Studie ist es zum einen, den aktuellen Stand zu Klimawandelfolgen im Welterbe-Gebiet Oberes Mittelrheintal zu beleuchten. Zum anderen wurden im Rahmen der Studie für einzelne Handlungsfelder konkrete Vorschläge entwickelt, wie die Kommunen sich auf die Auswirkungen des Klimawandels vorbereiten können.
Die Anpassung der Bundesgartenschau selbst an die Erfordernisse des Klimawandels, mit Durchführungsmaßnahmen wie Gestaltung der Ausstellungsflächen, Pflanzenwahl oder Pflege und Unterhaltungsmaßnahmen, ist nicht Gegenstand dieser Studie. Dies schließt nicht aus, dass mögliche Zusammenhänge zwischen der kommunalen und BUGA-bezogenen Klimaanpassung, beispielsweise die unterstützende Funktion kommunaler Klimaanpassung, angesprochen werden.

Die Vorgehensweise bei der Erarbeitung der Studie begleiten vier erkenntnisleitende Fragestellungen:

  • Wie sind Kommunen im Mittelrheintal vom Klimawandel betroffen?
  • Was können Kommunen tun, um sich an den Klimawandel anzupassen?
  • Welche Herausforderungen bestehen und welche positiven Beispiele gibt es?
  • Welche Möglichkeiten der Steuerung und Umsetzung gibt es?

In der Studie werden zunächst Daten über Klimawandel im Welterbe-Gebiet Oberes Mittelrheintal recherchiert, der aktuelle Erkenntnisstand aus der Arbeit der drei Hochschulen zusammengetragen und zu erwartende Entwicklungen vor dem Hintergrund der globalen Entwicklungen und der bestehenden räumlichen Rahmenbedingungen prognostiziert werden.

Projektbeteiligte:

An der Studie sind die Hochschule Koblenz, die Technische Hochschule Bingen und die Hochschule Geisenheim beteiligt.

Prof. Dr. Oleg Panferov

Prof. Dr. Elke Hietel

B.Sc. Tanja Reichling

B.Sc. Ingmar Blonzen

Die Studie finden Sie hier: Klimastudie-Mittelrheintal, 24.06.2021

Zur Abschwächung der Auswirkungen des Klimawandels in urbanen Gebieten sind kostengünstige und umweltverträgliche Lösungen gefragt, die das lokale Umfeld verschönern und sich gleichzeitig positiv auf die menschliche Gesundheit und das Wohlbefinden auswirken – und das bei möglichst geringem Aufwand. Das vertikale Balkonbegrünungssystem „balcovera“ leistet als innovatives Produkt für den Außenbereich einen signifikanten Betrag zur Lösung des Problems.

Balkongeländer und Balkonaußenflächen bleiben häufig ungenutzt und bieten somit ein hohes Potenzial zur Begrünung. Das balcovera-System soll leicht zu installieren sein und einen geringen Pflegeaufwand erfordern. Es kann einen kühlenden Effekt auf das lokale Mikroklima leisten, sich positiv auf die urbane Biodiversität auswirken, Feinstaub binden und die Umgebung ästhetisch aufwerten. Die Etablierung zusätzlich bepflanzter Gebäudeflächen trägt außerdem zur Abschwächung städtischer Hitzebelastung bei.

Durch balcovera als vertikales Bepflanzungssystem mit (halb-)automatisierter Bewässerung und autarker Energieversorgung können die Balkongeländer und Balkonaußenflächen zukünftig effektiv und nachhaltig begrünt werden. Das Produkt wird im Rahmen des einjährigen Vorhabens bis zur Marktreife weiterentwickelt.

Projektpartner:

exist – Existenzgründungen aus der Wissenschaft
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Europäischer Sozialfonds für Deutschland
Europäische Union

Das Vorhaben balcovera wird im Rahmen des Programms „EXIST – Existenzgründungen aus der Wissenschaft“ durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und den Europäischen Sozialfonds gefördert.

Dynamischer Agroforst

Gesunde Pflanzen, Biodiversität und höhere Erträge: Dieses Ziel verfolgt das Pilotprojekt „Dynamische Agroforst“ (DAF) des Landkreises Mainz-Bingen, das nun in Klein-Winternheim gestartet ist. Auf einer Ackerfläche auf dem Biolandbetrieb „Biopforte“ wurden circa 100 Bäume gepflanzt und die Fläche so in einen dynamischen Agroforst verwandelt.

Beim Dynamischen Agroforst handelt es sich um eine nachhaltige Anbaumethode, bei der Nutz- und Beipflanzen auf derselben Fläche angebaut werden. Das dabei entstehende Pflanzensystem bietet verschiedene Vorteile: Wasser im Boden wird besser gespeichert, Erosion hat weniger Angriffsfläche, der Boden wird humusreicher und die Pflanzen widerstandsfähiger.

Mit diesem Pilotprojekt soll aufgezeigt werden, wie sich der Dynamische Agroforst in die moderne Landwirtschaft integrieren lässt und welche Vorteile diese Methode für die Landwirtschaft bietet. Zudem wird auf der Ackerfläche die Widerstandsfähigkeit des gemischten Pflanzensystems gegen Trockenheit oder Starkregen, der Bedarf an Düngemittel, Pestiziden und Herbiziden sowie die Erträge untersucht. Die Pilotfläche soll zukünftig auch der Umweltbildung dienen und wiederkehrend für Schul- und Kindergartengruppen sowie andere interessierte Gruppen erlebbar sein.
Das Projekt ist eine Gemeinschaftsaktion des Umwelt- und Energieberatungszentrums (UEBZ) der Kreisverwaltung Mainz-Bingen mit Naturefund e.V., welche den DAF entwickelt haben. Biolandwirt Ludger Schreiber stellte für dieses Projekt seine Ackerfläche in Klein-Winternheim zur Verfügung. Gepflanzt wurden verschiedene Bäume und Sträucher: Walnussbäume, Apfelbäume, Quittebäume, Hainbuchen, Weiden, Tafeltrauben und Berberitzen. Ein dichtes Pflanzenfeld mit Haselnuss-, Ginster- und Beerensträuchern sowie Kräutern wird in Kürze zwischen den Bäumen noch ergänzt. Die Pflanzen wurden komplett von Boehringer Ingelheim gesponsert.

Das Gesamtziel des Projektes ist es, die vertikalen mobilen Begrünungssysteme für die urbanen Innen- und Außenbereiche zu entwickeln und unter Laborbedingungen sowie unter realen Bedingungen zu testen. Die Systeme sollen messbar die negativen Klimawandeleffekte (z.B. lokale Wärmeinsel) in urbanen Räumen reduzieren. Zudem sollen sie sowohl energie- und wasserautark als auch schallschützend sein, damit sie Synergien im Umwelt- und Klimaschutz liefern. Die einzelnen klima- und umweltschützenden Effekte der Systeme werden wissenschaftlich genau bestimmt, quantifiziert und analysiert. Die wissenschaftlichen Untersuchungen dienen auch dem anschließenden Vermarktungskonzept und helfen, die wirtschaftliche Verwertung des Projektes zu unterstützen. Es werden vier Prototypen gebaut: zwei für innere Bereiche und zwei für Außenbereiche.

Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms KMU Innovativ „Ressourcen- und Energieeffizienz“, Schwerpunkt „Energieeffizienz /Klimaschutz“, Laufzeit 2018-2021

Klima­schutz und Klima­an­passung mit inten­siver Dachbe­grünung

Städtisches Grün ist mehr als nur Zierde – es spielt eine entscheidende Rolle für eine lebenswerte und klimafreundliche Stadt. „Theoretisch kann man durch eine Begrünung der Luft Kohlendioxid entziehen, denn Pflanzen betreiben Photosynthese. Gleichzeitig kann man das Mikroklima ein bisschen angenehmer machen – das heißt, abkühlen und befeuchten, da Pflanzen transpirieren“, beschreibt Professor Oleg Panferov den Grundgedanken. Die Forscherinnen und Forscher der TH Bingen wollen aber nicht nur diese kühlende und Kohlendioxid-absorbierende Wirkung untersuchen, sondern sämtliche Aspekte einer grünen Stadt der Zukunft. „Wie können Grünflächen die Folgen von Starkregen mildern?“ und „Erhöht sich die Artenvielfalt in der Stadt dank der Grünflächen?“, sind weitere zentrale Fragestellungen. Wichtig ist auch, die Effizienz von Gründächern zu erhöhen. „Bis jetzt ist es nicht bewiesen, dass die Pflanzen diese Effekte tatsächlich überall liefern. Es gibt Beweise pro und contra. Das bedeutet, dass man das immer vor Ort feststellen muss.“ Grundsätzlich gelte zwar: Je mehr Begrünung desto besser, jedoch kann sie auch negative Wirkungen haben, wenn der Wind beispielsweise gebremst wird. Weniger Wind bedeutet weniger Abkühlung und weniger Abtransport von Schadstoffen. Daher sind genaue Planungen und Untersuchungen nötig, um das Optimum für das jeweilige lokale Mikroklima zu bestimmen.

Ein weiteres ausführliches Interview zu diesem Projekt können Sie auf der Webseite des Bundesumweltamtes lesen.

Dachbegruenung

Begrünte Dachfläche

Projektverantwortliche

  • Prof. Dr. Oleg Panferov, Fachbereich Klimawandel,Klimaschutz
  • Prof. Dr. Elke Hietel, Fachbereich Landschaftspflege, Landschafts- und Stadtplanung
  • Prof. Dr.-Ing. Ute Rößner, Fachbereich Wasser und Flächenrecycling, Geothermie
  • Prof. Dr. Martin Pudlik, Fachbereich Regenerative Energiewirtschaft